
VITAKO Podcast Verwaltung.Digital.Insights. Folge 08
23 Aug. '26 |
Der Bebauungsplan für den digitalen Staat
Wildwuchs eindämmen, Basisdienste bündeln: Der Deutschland-Stack soll die föderale Verwaltungsdigitalisierung ordnen.
Deutschland hat viel digitalisiert. Nur nicht abgestimmt. In der achten Folge des VITAKO-Podcast „Verwaltung.Digital.Insights.” spricht der geschäftsführende Vorstand und Host Lars Hoppmann mit Thilak Mahendran über das digitale Fundament des Staates. Mahendran leitet bei der FITKO (Föderale IT-Kooperation) die Abteilung Föderales IT-Architekturmanagement und Cybersicherheit.
Im Mittelpunkt des Austauschs zwischen den beiden Experten für digitale Verwaltung stehen der Deutschland-Stack, gemeinsame Basisdienste und eine föderale Architektur gegen den Wildwuchs in der Verwaltungs-IT. Außerdem geht es um Planungssicherheit für Länder, Kommunen und IT-Dienstleister sowie um Führung und Arbeitskultur.
Zu viel Digitalisierung statt zu wenig
Mahendran vertritt eine ungewohnte These. Deutschland hat nicht zu wenig digitalisiert. Das Land hat nur zu viele einzelne, unabgestimmte Insellösungen geschaffen. Beim Thinktank Agora Digitale Transformation identifizierte er mit Kolleginnen und Kollegen über 130 Basisdienste in der deutschen Verwaltung, etwa für Authentifizierung, Bezahlung oder Datenaustausch. Diese Dienste entstanden historisch unabgestimmt. Sie sind qualitativ sehr heterogen. International betrachtet sind es außerdem deutlich mehr, als funktionierende Plattformansätze tatsächlich brauchen. Skandinavische Länder kommen mit 15 bis 20 Basisdiensten aus, Großbritannien mit vier. Mahendran plädiert deshalb für einen schlanken, klar definierten Plattformkern. Darauf lassen sich Fachverfahren schneller, günstiger und moderner bauen.
Architektur vor Politik, Föderalismus als Stärke
Die Reihenfolge ist entscheidend. Erst sollte die Architekturarbeit klären, welche Lösungen wirklich gebraucht werden. Erst danach folgen politische Festlegungen. Mahendran bewertet den im Frühjahr beschlossenen Deutschland-Stack mit seinen fünf zentralen Basisdiensten deshalb positiv. Er mahnt aber an, dass die Architekturarbeit jetzt zügig nachziehen muss. Wichtig ist ihm zudem ein anderer Blick auf den Föderalismus. Dieser sei kein Hindernis für die Digitalisierung. Über eine plattformbasierte Verwaltung lasse er sich sogar besonders gut abbilden – ähnlich wie in Indien, Kanada oder Österreich. Voraussetzung dafür ist Planungssicherheit für Länder, Kommunen und IT-Dienstleister. Nur so tätigen sie die nötigen Investitionen.
Menschen entscheiden über den Erfolg
Für Mahendran zählt am Ende nicht nur Technik. Menschen entscheiden über den Erfolg der Verwaltungsdigitalisierung. Im Podcast spricht er über die Herausforderung, Fachkräfte für die öffentliche Verwaltung zu gewinnen und zu halten. Er betont die Bedeutung einer offenen Führungskultur. Vertrauen und Wertschätzung halten Fachwissen im System. Klare Kommunikation ist entscheidend. Nur so verstehen Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit, warum die Grundlagenarbeit nötig ist und tragen den Wandel mit.
Die vollständige Folge von „Verwaltung.Digital.Insights.” mit Thilak Mahendran und Lars Hoppmann ist ab sofort verfügbar.

