Künstliche Intelligenz: Die Zukunft der Verwaltung hat begonnen.

Lars HoppmannLeitartikel von Lars Hoppmann, geschäftsführender Vorstand von VITAKO, in der „VITAKO aktuell“ (Ausgabe 3/26), erschienen am 1. September 2026.

Lars Hoppmann beleuchtet in seinem Aufmacherartikel die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI) für Kommunen und die kommunale Verwaltung. 

Seine Kernthesen:

  • Schon heute nutzen kommunale Verwaltungen KI-Anwendungen und sparen dadurch Zeit, Ressourcen – und verbessern ihren Service für Bürgerinnen und Bürger.
  • Die Verwaltung und die kommunalen IT-Dienstleistern spielen eine Schlüsselrolle, um Deutschland und Europa als KI-Standort voranzubringen und digital souveräne Lösungen zu entwickeln.
  • Cybersicherheit wird angesichts von KI noch wichtiger. Gerade Verwaltungen müssen sich darauf vorbereiten – die kommunalen IT-Dienstleister unterstützen sie dabei.
  • Damit KI in den kommunalen Verwaltungen wirklich ankommt, müssen Bund und Länder mit konkreten Maßnahmen unterstützen.

Immer weniger Mitarbeitende in den Verwaltungen, viele offene Stellen bei den kommunalen IT-Dienstleistern – seit Jahren beklagen wir den Fachkräftemangel. Gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung an die Verwaltung. Sie soll den Alltag erleichtern und bürgernah sein, die Lebensqualität erhöhen und das alles bei rapide sinkenden Etats. Bietet KI Lösungen für all diese Probleme und eröffnet uns den Weg ins Schlaraffenland? Gewiss nicht! Aber das Potenzial ist erheblich und wir tun gut daran, KI-Anwendungen für die öffentliche Verwaltung zu entwickeln und umfassend zu nutzen.

Wie KI-Anwendungen konkret helfen können? Die Ausländerbehörden haben in Brandenburg 2026 ein KI-Tool eingeführt, das Anträge auf Vollständigkeit prüft und Antragsstellende automatisiert auf Fehlendes hinweist. In Hamburg nutzen bereits rund 40.000 Verwaltungsmitarbeitende den Sprachassistenten LLMoin, der etwa bei Rechercheaufgaben hilft. In Leipzig ist eine KI-App in der Entwicklung, die Elterngeldbescheide in einfache Sprache übersetzt. Beispielhafte Anwendungen, die Mitarbeitende in den Verwaltungen entlasten und den Service spürbar verbessern.

Europa als KI-Standort? Blickt auf die Verwaltung!

Also: Die Verwaltung nutzt KI-Anwendungen heute schon und entwickelt immer neue, innovative Lösungen. Eine steilere These lautet, dass die Verwaltung im Schulterschluss mit den kommunalen IT-Dienstleistern eine Schlüsselrolle spielen kann, um Deutschland und Europa als KI-Standort voranzutreiben. Erstens wegen der Beschaffungsmacht. Allein die Zentralstelle für IT-Beschaffung (ZIT) des Bundes gibt jährlich rund 4 Milliarden Euro aus, in den 11.000 Kommunen liegt die kumulierte Summe um ein Vielfaches höher. Das heißt, die Verwaltungen verfügen über eine erhebliche Einkaufsmacht, um gemeinwohlorientierte Interessen wie zum Beispiel Nachhaltigkeit beim Einsatz von KI – zu verfolgen. Lasst sie uns nutzen!

Zweitens erarbeiten wir gemeinsam mit Partnern Lösungen, die auf digital souveräne KI-Lösungen aus Europa abzielen. Siehe die GenAI-Plattform, die derzeit von govdigital entwickelt wird: Daten und KI-Modelle bleiben dort unter der Kontrolle der öffentlichen Hand, und die Verwaltungen sind bei der Umsetzung von KI-Projekten nicht an einen einzelnen Cloud-Anbieter oder ein bestimmtes KI-Modell gebunden. Dass das Thema digitale Souveränität von höchster Relevanz ist, hat nicht zuletzt der unbeabsichtigte Angri! eines KI-Agenten von Open AI auf das US-Unternehmen Hugging Face gezeigt: Um ihn abzuwehren, musste Hugging Face auf eine KI aus China zurückgreifen. Der Vorfall rückt rund um KI auch das Thema Cybersicherheit in den Fokus.

Die Grafik zeigt die wichtigsten Maßnahmen gemäß VITAKO Mitgliedern, um Kommunen beim Einsatz von KI zu unterstützen: zentral bereitgestellte KI-Lösungen (32,4 %), Entwicklung spezifischer Anwendungen (29,4 %), Unterstützung für Mitarbeitende (11,8 %), rechtliche Standards (11,8 %), zusätzliche finanzielle Mittel (8,5 %)

Cybersicherheit im Fokus

Die Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Claudia Plattner, hat sicherlich recht, wenn sie davon spricht, dass durch KI mehr Cyberangriffe zu erwarten seien und die nächsten Jahre „sehr holprig und unruhig“ werden. Was ist zu tun? Zunächst geht es um die bekannten Klassiker: Schwachstellen identifizieren und patchen. Angriffe erkennen und reagieren. Sicherheitsstandards einhalten und Notfallpläne üben. Die kommunalen IT-Dienstleister bieten das entsprechende Portfolio.

Darüber hinaus müssen wir drei verschiedene Ebenen betrachten. Auf technischer Ebene gewinnt die KI gestützte Abwehr – die viele unserer Mitglieder heute schon nutzen – massiv an Bedeutung. Denn: Gegen Angriffe, die in Sekunden ablaufen, hilft nur automatisierte Abwehr auf Augenhöhe. Auf politischer Ebene ist es lange überfällig, dass das BSI gestärkt wird und auch Kommunen endlich umfassend unterstützen darf. Und auf Ebene von VITAKO kann ich Ihnen zusichern, dass wir gemeinsam mit unseren Mitgliedern Konzepte entwickeln, um mit dieser neuen Bedrohung umzugehen. Dafür stehen wir mit allen relevanten Stellen wie etwa dem BSI im engen Austausch.

KI muss in den Kommunen ankommen

Noch ein Wort zur Digitalpolitik. Damit Deutschlands Kommunen KI-Anwendungen umfassend nutzen, sind Bund und Länder gefragt. Wesentliche Themen lauten:

  • Fokus auf souveräne Lösungen: Gelder müssen vorrangig in Technologien fließen, die in Deutschland und Europa entwickelt werden. Rückenwind dafür kommt von der Apply AI Strategie der EU, die Europa zum führenden KI-Kontinent machen will.
  • Zugang zu KI-Reallaboren ermöglichen: Kommunen brauchen praxisnahe Lösungen, die ihnen wirklich Arbeit abnehmen. Um das zu gewährleisten, müssen Kommunen Zugang zu den geplanten nationalen KI-Reallaboren erhalten.
  • Finanzielle Unterstützung bieten: Die Entwicklung und der Betrieb von KI-Systemen sind teuer. Es braucht Konzepte und Kostenmodelle, mit denen auch kleine Kommunen von den Vorteilen zügig und dauerhaft profitieren können.

Wir wollen dazu beitragen, etablierte Prozesse in den Verwaltungen neu zu denken. Wir wollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für KI begeistern und sie konkret unterstützen. In diesem Sinne: Lassen Sie uns die Zukunft der Verwaltung weiter gestalten – und die Chancen, die sich aus KI ergeben, entschlossen nutzen!

1. September 2026